Über mich


Dass ich einmal Künstlerin sein würde,
erschien mir lange so unrealistisch,
dass ich es nicht einmal versucht habe.
Kreativität war trotzdem schon früh Teil meines Lebens. Mein Vater war Schreiner, malte und bemalte Möbel. Von ihm bekam ich meine ersten Pinsel und Farben. Wenn ich beim Zeichnen einen Strich gemacht hatte, der für mich falsch war, wollte ich sofort zum Radiergummi greifen. Mein Vater sagte dann sinngemäß: „Mach etwas daraus.“ Aus einem vermeintlich falschen Strich konnte plötzlich etwas entstehen, das vorher gar nicht geplant war. Dieser Gedanke begleitet mich bis heute.
Als Jugendliche wollte ich Tätowiererin werden. Mich faszinierte daran nicht nur das Zeichnen, sondern vor allem, dass Menschen ihre Geschichten in Bildern auf der Haut tragen. Hinter einem noch so kleinen Motiv kann etwas sehr Persönliches stecken. Ein Tattoo ist eine bewusste Entscheidung, ein Bild dauerhaft zu einem Teil der eigenen Identität werden zu lassen. Diese Verbindung zwischen Bild, Persönlichkeit und Geschichte fasziniert mich bis heute und findet sich auch in vielen meiner Arbeiten wieder.
Trotzdem führte mein Weg zunächst woanders hin. Ich machte eine Ausbildung zur Grafikdesignerin und arbeitete anschließend in unterschiedlichen Berufen. Gemalt habe ich über viele Jahre kaum. Wenn ich in dieser Zeit zu Stift oder Pinsel griff, dann meistens in Momenten, in denen in meinem Leben etwas passiert war, für das mir die Worte fehlten. Ich malte nicht mit dem Gedanken, Kunst zu schaffen oder etwas zu zeigen. Ich gab meinen Gefühlen und Situationen ein Gesicht. Diese Bilder waren nur für mich.
Heute würde ich sie mit Tagebucheinträgen vergleichen. Während des Malens musste ich nichts erklären und nichts lösen. Ich konnte einfach machen. Danach konnte ich oft besser mit dem umgehen, was passiert war. Einige dieser Bilder besitze ich noch heute. Wenn ich sie ansehe, erinnere ich mich nicht nur daran, was damals passiert ist. Ich weiß wieder, wie es sich angefühlt hat. Ein Bild kann mich innerhalb von Sekunden zurück in einen Moment holen.
Von meiner Kunst zu leben, kam mir damals trotzdem nicht ernsthaft in den Sinn. Kunst war für mich etwas, das „richtige Künstler“ machten. Ich hielt mich für einen ganz normalen Menschen, für den ein solches Leben eher Wunschdenken als eine reale Möglichkeit war. Rückblickend finde ich fast erstaunlich, wie selbstverständlich ich diese Grenze akzeptiert hatte, obwohl niemand sie für mich gezogen hatte. Beruflich fand ich lange keinen Ort, an dem ich wirklich ankam. Nachdem ich innerhalb relativ kurzer Zeit mehrfach meinen Arbeitsplatz verloren hatte, stellte ich irgendwann nicht mehr nur meine Jobs infrage, sondern die Vorstellung, wie mein Leben überhaupt aussehen sollte.
Mein Partner sagte mir schon lange, dass ich meine Zeichnungen und Bilder zeigen sollte. Ich selbst maß dem, was ich konnte, viel weniger Bedeutung bei. Irgendwann ließ ich mich trotzdem darauf ein. 2020 begann ich, meine Arbeiten öffentlich zu zeigen. Mein erstes veröffentlichtes Leinwandbild wurde wenige Tage später verkauft. Dieser Moment hat etwas in mir verschoben.
Nicht, weil plötzlich jemand Geld für ein Bild von mir bezahlt hatte. Sondern weil etwas passiert war, das ich vorher für mich selbst praktisch ausgeschlossen hatte. Zum ersten Mal musste ich mich fragen, ob das Leben, das ich für unrealistisch gehalten hatte, vielleicht gar nicht so unrealistisch war.
Also malte ich weiter.
Dabei entdeckte ich ein Gefühl, das ich in dieser Intensität vorher nicht kannte. Wenn ich arbeite, verliere ich den Bezug zu Zeit und Raum. Ich plane nicht jeden Schritt. Meine Hand greift zum Pinsel, ich mische Farben, probiere Materialien aus, verwerfe etwas und arbeite weiter. Stunden können vergehen, ohne dass ich sie wahrnehme. Irgendwann trete ich ein paar Schritte zurück und sehe, was entstanden ist. Seitdem hat die Malerei nicht nur meinen Beruf verändert, sondern auch meinen Blick auf mich selbst. Ich habe angefangen zu hinterfragen, wie viele Dinge ich für wahr gehalten habe, nur weil ich sie lange genug gedacht hatte.
Genau diese Frage beschäftigt mich heute auch in meiner Kunst: Wie entstehen unser Selbstbild und unsere Vorstellung davon, was für uns möglich ist? Wie viel davon kommt tatsächlich von außen und wie viel tragen wir selbst in uns?
Lange dachte ich, die Grenze zwischen meinem Leben und dem Leben, das ich mir eigentlich wünschte, sei real. Irgendwann habe ich verstanden, dass ich sie selbst gezogen hatte.
Sie existierte vor allem in meinem Kopf.


Meine Kunst heute
Wenn ich male, verschwinden Raum und Zeit. Ein ganzer Tag kann sich wie ein paar Minuten anfühlen. Manchmal gehe ich abends ins Bett und möchte möglichst schnell einschlafen, damit ich morgens weitermalen kann.
In meinen Arbeiten verbinde ich Acrylmalerei mit Zeichnung, grafischen Elementen, Strukturen und unterschiedlichen Materialien. Meine Ausbildung im Grafikdesign ist dabei bis heute spürbar. Komposition, Kontraste, Schrift, Farbe und Bildwirkung spielen eine große Rolle. Gleichzeitig entsteht vieles intuitiv. Ich plane, verwerfe, übermale und verändere, bis ein Bild für mich funktioniert.
Mich interessieren Menschen, ihre Geschichten und vor allem das, was in ihnen passiert. Gedanken, Selbstbild, Identität, innere Stärke, Freiheit und die Frage, wie sehr unsere eigene Wahrnehmung bestimmt, wer wir sind und was wir uns zutrauen.
Auch Tattoos, Symbole, Schriftzüge und bekannte Elemente tauchen deshalb immer wieder in meinen Arbeiten auf. Mich interessiert, welche Bedeutung wir Bildern geben und wie sich diese Bedeutung verändert, je nachdem, wer sie betrachtet.
Meine Serien zeigen unterschiedliche Seiten davon.
MY HEAD beschäftigt sich mit Gedanken, Selbstbild und den Grenzen, die wir manchmal für real halten, obwohl sie vor allem in unserem Kopf existieren. Rebel Heroes richtet den Blick stärker auf Individualität, Freiheit und das Anderssein. Mutter Erde verbindet Weiblichkeit mit Kraft, Schutz, Ursprung und Verbundenheit. Ich möchte mit meinen Bildern keine fertige Antwort vorgeben. Mich interessiert der Moment, in dem ein Bild bei einem Menschen etwas Eigenes auslöst. Denn zwei Menschen können vor demselben Werk stehen und trotzdem etwas völlig anderes darin sehen.
Was ich in ein Bild lege, gehört mir. Was du darin siehst, gehört dir.



















