Über mich


Kreativität war für mich nie etwas,
das irgendwann angefangen hat.
Sie war einfach immer da.
Meine Kindheit bestand aus vielen kleinen Welten, in denen aus gewöhnlichen Dingen etwas Neues entstehen konnte. Meine Mutter war Kindergärtnerin und oft blieb ich nachmittags dort, bis sie ihre Arbeit beendet hatte. Wenn das letzte Kind abgeholt war, gehörte dieser große Ort für eine Weile nur mir. Überall lagen Farben, Papier und Spielzeug. Für mich waren das unendlich viele Möglichkeiten. Einer meiner liebsten Orte war der Heuspeicher auf dem Bauernhof meines Großonkels. Eigentlich durfte ich dort nicht hinauf, aber genau dort verbrachte ich viele Stunden. Zwischen Heu, Ruhe und den Katzenbabys meiner Katze Cleo konnte ich völlig in meiner eigenen Welt verschwinden. Vielleicht stammt daher meine besondere Verbindung zu Katzen. Bis heute tauchen sie immer wieder in meinen Arbeiten und in meiner Signatur auf.
Auch die Familie meines Vaters hat mich geprägt. Sie war laut, chaotisch, kreativ und eng miteinander verbunden. Mein Vater war gelernter Schreiner, malte und bemalte Möbel. Mein Großvater arbeitete unter anderem als Antiquitätenhändler in Paraguay, mein Onkel reiste mit einem Zirkus durch die Welt und mehrere Familienmitglieder spielten gemeinsam in einer Band. Von meinem Vater bekam ich meine ersten Pinsel und Farben. Vieles von dem, was mich heute ausmacht, erkenne ich in ihm wieder: meine Kreativität, meine Art zu denken und meinen Drang, Dinge selbst zu gestalten. Sein Leben war nicht leicht, doch für mich war er vor allem einer der herzlichsten, ehrlichsten und liebevollsten Menschen, die ich kannte.
Ich bin überzeugt, dass ein Teil von ihm in mir weiterlebt und dass er mir mit jedem Pinselstrich näher ist. Manchmal wünsche ich mir, er hätte noch erlebt, wohin all das geführt hat. Ich glaube, er wäre sehr stolz gewesen.
Mein Weg zur Kunst
Mein Weg zur Kunst war nicht gerade. Ich kümmerte mich früh um mich selbst, machte eine Ausbildung zur Grafikdesignerin und arbeitete in ganz unterschiedlichen Jobs. Im Kiosk, in der Eisdiele und sogar verkleidet als Affe, um in der Stadt Flyer zu verteilen. Vieles funktionierte, doch wenig fühlte sich wirklich nach meinem eigenen Leben an. Mein Ventil waren ein Block und ein Stift. Darin hielt ich Gefühle fest, fast wie in einem Tagebuch, nur mit Bildern statt mit Worten.
Während meiner Ausbildung entstand ein Projekt zum Thema Farblehre. Mein Vater hatte mir früh gezeigt, dass sich aus wenigen Grundfarben fast alles mischen lässt. Also gab ich den Farben eigene Charaktere: Rot wurde zu einem kraftvollen Löwen, Gelb zu einem Vogel und Blau zu einer ruhigen Giraffe. Die Reaktionen darauf überraschten mich. Zum ersten Mal merkte ich, dass meine Bilder nicht nur für mich eine Bedeutung hatten, sondern auch bei anderen Menschen etwas auslösen konnten. Von meinem Vater stammt ein Satz, der mich bis heute begleitet. Als ich ihn beim Zeichnen nach einem Radiergummi fragte, sagte er sinngemäß: Es gibt keinen Radiergummi. Mach aus dem Strich, den du für einen Fehler hältst, etwas Neues. Dieser Gedanke prägt bis heute meine Arbeit und meine Sicht auf das Leben.
2017 zog ich nach Freiburg. Ich arbeitete weiterhin in verschiedenen Berufen, spürte aber immer deutlicher, dass ich in einem Alltag, der mich nicht berührt, innerlich eingehe. Also begann ich, mein Leben Schritt für Schritt neu aufzubauen und dem mehr Raum zu geben, was mich wirklich beschäftigte. Gleichzeitig begann ich eine intensive Therapie. Ich lernte mich selbst besser zu verstehen und erkannte, dass vieles, was sich lange nur wie Chaos angefühlt hatte, einen Ursprung besaß. 2020 begann ich, meine Kunst bewusst öffentlich zu zeigen. Mein erstes online veröffentlichtes Leinwandbild wurde bereits wenige Tage später verkauft. Dieser Moment war für mich viel mehr als ein Verkauf. Zum ersten Mal hatte jemand etwas in meiner Arbeit gesehen, das er bei sich haben wollte. Seitdem ist aus dem Malen immer mehr mein eigener Weg geworden.


Meine Kunst heute
Heute weiß ich, dass Kunst für mich weit mehr ist als Gestaltung. Sie ist mein Rückzugsort, mein Ausdruck und manchmal die einzige Sprache für Dinge, für die ich keine Worte finde. Wenn ich male, verschwinden Raum und Zeit. Ein ganzer Tag kann sich wie ein paar Minuten anfühlen. Manchmal gehe ich abends ins Bett und möchte so schnell wie möglich einschlafen, damit ich morgens weitermalen kann.
Ich verbinde Acrylmalerei mit Sprühtechniken, Zeichnung, grafischen Elementen, Collagen und verschiedenen Materialien. Meine Ausbildung im Grafikdesign ist dabei immer noch ein Teil von mir. Komposition, Kontraste, Schrift, Farbe und Bildwirkung spielen eine große Rolle. Gleichzeitig entsteht vieles intuitiv. Ich plane, verwerfe, übermale, ändere und lasse Dinge entstehen. Ich möchte, dass ein Bild Spannung hat und etwas auslöst. Meine Werke dürfen laut sein, direkt, humorvoll, unbequem, verspielt oder ruhig. Sie sollen etwas hinterlassen.
Auch meine Serien tragen unterschiedliche Seiten von mir in sich. My Head beschäftigt sich mit Gedanken, Entwicklung, Selbstakzeptanz und innerer Stärke. Rebel Heroes steht für Individualität, Freiheit und meine rebellische Seite. Mutter Erde ist kraftvoll und erzählt von unbändiger Stärke, Weiblichkeit, Schutz, Ursprung und der Verbindung zwischen allem.
Ich glaube, dass ich mein ganzes Leben versucht habe, aus Dingen etwas Eigenes zu machen. Aus einem falschen Strich, einem Gefühl, Chaos, Farbe oder einer Erfahrung.
Heute ist genau daraus meine Kunst geworden. Sie ist mein Tagebuch. In jedem Bild steckt eine Geschichte von mir.



















