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Logo von Saskia Ivenz mit stilisierter Katze und handschriftlichem Ivenz-Schriftzug
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MUTTER ERDE

Eine Erinnerung daran, dass wir Teil eines Ganzen sind.

Der Ursprung von MUTTER ERDE liegt viele Jahre zurück. Während meiner Ausbildung zur Grafikdesignerin bekam ich im Rahmen einer Aufgabe zur Farblehre die Freiheit, Farbe auf meine eigene Weise zu interpretieren. Statt sie nur als Gestaltungsmittel zu betrachten, wollte ich ihr einen Charakter geben. So entstanden drei Tiere. Eine blaue Giraffe verkörperte für mich Ruhe und Gelassenheit. Ein roter, brüllender Löwe stand für Kraft, Lautstärke und Energie. Der Vogel bekam eine subtilere, schwerer greifbare Rolle. Er wirkte zurückhaltender, beinahe hintergründig. Das Bild wurde damals in meiner Schule ausgestellt und bedeutete mir viel. Nicht nur wegen der Anerkennung, die ich dafür bekam. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, etwas Inneres über Figuren und Farben ausdrücken zu können. Jahre später kehrte ich zu diesem Motiv zurück. Diesmal ging es nicht mehr in erster Linie um Farben. Es ging um mich. Im Zentrum entstand eine nackte Frau, umgeben von Natur und Tieren. Ihre Nacktheit steht für mich nicht für Inszenierung, sondern für einen ursprünglichen Zustand: ein Mensch ohne Rolle, Status oder die Dinge, mit denen wir uns nach außen definieren. Die Natur wurde dabei bewusst zu ihrem Raum. Nicht als romantische Kulisse, sondern als Gegenwelt zu einer immer schnelleren, technischeren und lauteren Welt. ​Auch die Tiere veränderten ihre Bedeutung. Sie wurden zu unterschiedlichen Anteilen einer Persönlichkeit. Die Giraffe trägt Ruhe und Gelassenheit in sich. Der brüllende Löwe stand zunächst für eine Kraft, die laut werden und nach außen drängen musste. Andere Tiere verkörpern wiederum Seiten, die weniger eindeutig sind: Widersprüche, Instinkte oder Eigenschaften, mit denen wir uns vielleicht nicht immer wohlfühlen. Über die Jahre habe ich dieses Motiv mehrfach neu interpretiert. Die Bilder ähneln sich und sind gleichzeitig vollkommen unterschiedlich. Für mich sind sie dadurch zu Markierungen meiner eigenen Entwicklung geworden. Ich sehe darin nicht nur, wie sich meine technischen Möglichkeiten verändert haben, sondern auch, wie anders ich heute auf mich selbst und auf Stärke blicke. Das wird für mich besonders in der jüngsten Arbeit sichtbar. Der brüllende Löwe ist verschwunden. Ich brauchte ihn nicht mehr. Die Frau selbst trägt jetzt die Stärke, die früher noch durch ihn dargestellt wurde. Sie muss nicht laut sein, um kraftvoll zu wirken. Ihr Blick ist ruhig, selbstbewusst und erhaben. Ihre Stärke muss sich nicht beweisen. Auch ihre Größe ist bewusst überzeichnet. Im Verhältnis zu den Tieren entspricht sie nicht den realistischen Proportionen eines Menschen. Sie ist größer, weil sie für mich nicht einfach eine Frau inmitten der Natur ist. Sie ist Mutter Erde. In ihrer Hand hält sie eine Schlange. Für mich fügt sie dem Bild eine weitere Ebene von Natur, Instinkt und ursprünglicher Kraft hinzu. Sie wird nicht abgewehrt oder bekämpft, sondern selbstverständlich getragen und gehört zu dieser Welt. Diese Entwicklung ist eng mit meiner persönlichen Auseinandersetzung mit Selbstbild und Selbstakzeptanz verbunden. Ich habe lange sehr kritisch auf mich und meinen Körper geschaut. Mit der Zeit habe ich gelernt, meine Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf das zu richten, was ich an mir verändern möchte, sondern auch auf das, was mich trägt und welche Stärke längst vorhanden ist. Die Frau in MUTTER ERDE verkörpert für mich diese Stärke. Sie ist nicht die Frau, die ich behaupte immer zu sein. Vielleicht ist sie eher die Frau, an die ich mich erinnern möchte. Ruhig und kraftvoll zugleich. Verletzlich, ohne schwach zu sein. Sie braucht keinen brüllenden Löwen mehr hinter sich, um ihre Stärke sichtbar zu machen. Auch das Wort Mutter bedeutet für mich dabei weit mehr als Mutterschaft im menschlichen Sinn. Mich fasziniert diese ursprüngliche Verbindung von Erschaffen, Tragen, Schützen und Stärke, die wir überall in der Natur wiederfinden. In meiner Bildwelt wird die Mutter deshalb zum Sinnbild für Ursprung und Kraft. Für mich gibt es kaum etwas Mächtigeres als die Natur selbst. Wir Menschen versuchen, sie zu formen, zu kontrollieren und uns immer weiter von ihr unabhängig zu machen. Und doch erinnert sie uns immer wieder daran, dass wir nicht über ihr stehen. Wenn wir aufhören einzugreifen, holt sie sich ihren Raum zurück. Vielleicht liegt genau darin etwas, das wir in unserem schnellen, technischen Leben manchmal vergessen: Wir sind nicht ihr Gegenüber. Wir sind ein Teil von ihr. MUTTER ERDE ist deshalb mein Versuch, wieder näher an etwas Ursprüngliches heranzukommen. Weg von Geschwindigkeit, ständiger Ablenkung und dem Gefühl, immer funktionieren zu müssen. Hin zum Körper, zur Natur, zu den Tieren und zu dem Teil in uns, der vielleicht längst weiß, wer wir sind, bevor die Welt beginnt, uns zu erklären, wer wir sein sollen. Wenn ich diese Frauen male, schaue ich selbst ein Stück weit zu ihnen auf. Sie erinnern mich an eine Stärke, die ich lange im Außen gesucht habe und langsam wieder in mir selbst finde. Aber die Serie geht für mich inzwischen über diese persönliche Ebene hinaus. MUTTER ERDE erinnert mich daran, dass nichts für sich allein existiert. Mensch, Tier und Natur sind keine voneinander getrennten Welten. Wir beeinflussen einander, wir sind voneinander abhängig und wir teilen denselben Ursprung. Vielleicht würden wir anders miteinander und mit unserer Umwelt umgehen, wenn wir uns dieser Verbindung wieder bewusster wären. Mit mehr Respekt für andere Menschen, für Tiere, für die Natur und auch für uns selbst. Wir stehen nicht über der Natur. Wir sind ein Teil von ihr. Und vielleicht beginnt Respekt genau dort, wo wir uns wieder daran erinnern.

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"Wenn ich diese Frauen male, schaue ich selbst ein Stück weit zu ihnen auf.
Sie erinnern mich an eine Stärke, die ich lange im Außen gesucht habe
und langsam wieder in mir selbst finde. "


Saskia Ivenz

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